Erfahrungsbericht eines Autoliebhabers: Mein neues E-Auto – Lust oder Frust?

Meinem zwei Liter Diesel japanischer Herkunft konnte lange niemand seinen Platz streitig machen: ausgereifte Technik, lange Reichweite, komfortabler und bezahlbarer Fahrspaß – ein verlässlicher Weggefährte sommers wie winters.

Olaf Rosenberg, Stadtwerke Peine, Vertrieb Geschäftskunden.

In den letzten Jahren stiegen neben dem Kraftstoffpreis allerdings auch die Unterhaltungskosten: Steuer, Versicherung, Wartung und Reparaturen schlugen mit einigen Tausend Euro zu Buche. Ein Haarriss im Auspuffkrümmer und Abgase im Innenraum gaben dann den entscheidenden Ausschlag. Es wurde Zeit für ein neues Auto, und zwar eines ohne Abgase und mit weniger Reparaturbedarf. Die Entscheidung für ein E-Auto war gefallen.

Bei meiner Fahrzeugwahl waren neben meinem Budget folgende Kriterien unverhandelbar: Eine vernünftige Reichweite von mindestens 250 Kilometern – auch in der kalten Jahreszeit, eine gute Ladeleistung für schnelles „tanken“ auf längeren Reisen und eine lange Garantie auf das teure Herzstück: die Batterie. Gekauft habe ich ein E-SUV mit einem Akkuenergieinhalt von knapp 73 kWh (nutzbar 64 kWh) und einer angegebenen Reichweite von 480 Kilometern.

Die vorhandene Ladeleistung erlaubt das „Nachladen“ einer Reichweite von etwa 250 Kilometern innerhalb von 30 Minuten. Mit der Akkugarantie bis 160.000 Kilometer Laufleistung und einem Vorteilspreis unter einem Budget von 40.000 Euro, waren alle meine Kriterien erfüllt. Das war im Juli 2019. Nach knapp zwei Jahren und über 47.000 gefahrenen Kilometern mit meinem „Stromer“, bleibt also die Frage: Mehr Lust oder mehr Frust?

Das E-Auto punktet klar mit seinem hohen Drehmoment ohne Geräuschkulisse. Fahrspaß pur, Aktion gleich Reaktion – bis 173 km/h, dann wird leider abgeregelt. Die Langstreckentauglichkeit ist gegeben: München und Amsterdam beispielsweise waren mit zwei bzw. einer Ladepause von jeweils 15 Minuten gut erreichbar.

Amsterdam überzeugte mit seiner guten Ladeinfrastruktur, Nachholbedarf besteht hier in München – wie eigentlich fast überall in Deutschland. Das ist der Punkt, der tatsächlich etwas „Frust“ mit sich bringt. Einige Touren wollen gut geplant sein, mangels passender Ladeinfrastruktur. 400 Kilometer Reichweite sind bei verhaltener, die von mir gewünschten 250 Kilometer bei sportlicher Fahrweise immer möglich. Die „Akkugesundheit“ liegt noch immer bei 100% und es ist bis heute keine Reichweitenreduzierung aufgrund der Batteriealterung aufgetreten.

Verbesserungswürdig scheint mir allerdings die Ladeleistung bei kalten Temperaturen. Im Winter kann das Laden statt 15 schon mal bis zu 45 Minuten dauern.

Noch ein Wort zu den Kosten: Förderungen für die Anschaffung von E-Autos und privaten Wallboxen, eine kräftige Steuerersparnis (0 Euro pro Jahr), geringere Wartungskosten (gerade einmal 100 Euro/Jahr), Kostenvorteile beim Parken im öffentlichen Raum, geringere „Tankkosten“ und nicht zuletzt klimafreundliches Fahren, haben meinen Diesel in Sachen Wirtschaftlichkeit und Klimabilanz schnell überholt und mich als Autofahrer total überzeugt.

E-Kraftfahrzeugtechnik und Ladeinfrastruktur entwickeln sich indes rasant weiter, die Förderpakete sind geschnürt und wollen abgerufen werden: Worauf also noch warten?